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19. Naturwanderung der CDU Mühlhausen-Rettigheim-Tairnbach

Aus Wildkräutern lassen sich wunderbare Gerichte und Heilmittel zaubern / Kräuterführung der CDU mit der Kräuterpädagogin Melanie Homma / Große Beteiligung von Naturfreunden / MdB Dr. Harbarth und MdL Klein mit dabei

Mühlhausen.  (rka) „Für jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen“, schrieb der Arzt Paracelsus zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Jahrtausendelang waren die Wildpflanzen ein wertvoller Bestandteil des menschlichen Lebens, denn unsere Vorfahren sammelten nicht nur einen großen Teil ihrer Nahrung in der freien Natur, sondern sie sammelten auch Erfahrungen und Kenntnisse im Umgang mit den wilden Pflanzen und wussten um ihre heilende Wirkung. Durch die tägliche Nutzung wurde dieses Wissen von Generation zu Generation weitergegeben. Nur wenig von diesem Teil der Nahrungskultur ist heute noch lebendig.

Dies war auch ein Grund für die CDU Mühlhausen-Rettigheim-Tairnbach, die 19. Naturwanderung in diesem Jahr unter dem Motto „Komm mit in die Welt der Kräuter“ mit der Kräuterpädagogin Melanie Homma durchzuführen. Das Interesse der Naturfreunde war groß, denn über 50 Wanderer beteiligten sich am Ausmarsch, unter ihnen auch der Bundestagsabgeordnete Stephan Harbarth und der Landtagsabgeordnete Karl Klein.

Melanie Homma lenkte den Blick auch gleich auf den Sinn einer solchen Kräuterführung. „Da viel altes Wissen über die Kräuter mehr und mehr verloren gegangen ist, liegt es mir besonders am Herzen, den Blick wieder auf diese wunderbaren, heilkräftigen Pflanzen zu richten und den Reichtum näherzubringen“. Vor einigen Jahren begann Melanie Homma, wie sie bei ihrer Vorstellung erzählte, sich für die Welt der Kräuter zu interessieren. Zunächst ganz privat, indem sie ihren Wissensdurst durch Literatur und Sammeln von Kräutern stillte. Dann machte sie eine Ausbildung als Kräuterpädagogin und kennt inzwischen fast alle Kräuter, ihre Heilkräfte und Anwendungsmöglichkeiten, auch in der Küche.

Was sie so faszinierend am Sammeln von Wildkräutern findet? „Das sind ursprüngliche, ehrliche Lebensmittel“, so ihre Antwort. Es folgen weitere Vorzüge: Sie brauchen keine Pflege, keinen Dünger, der Nährstoffgehalt ist enorm hoch, sie kosten nichts, sind lecker und ein wahrer Gesundheitskick. Darüber hinaus sei das Sammeln im Freien gut für die Bewegung. Im übrigen könnten Wildpflanzen nicht nur den Speisezettel um einige Geschmacksrichtungen erweitern, sie genügten auch in hervorragender Weise den Forderungen der Zeit nach naturbelassenen Lebensmitteln.

Für das Sammeln gilt natürlich die goldene Regel: Je natürlicher die Umgebung, desto besser. So waren die Wiesen am Hang des Zwernigs, wo einst die Burg der Ritter von Mühlhausen stand, der ideale Ort, um auf wenigen Metern das ganze Spektrum der Wildkräuter kennenzulernen. Ganz unscheinbar in der Mitte der Wiesen wächst der Spitzwegerich, ein Kraut, dessen Heilkraft bei den unterschiedlichsten Beschwerden angewendet wird. Es handelt sich um eine gut verträgliche Heilpflanze, die schmerz- und blutstillend, wundheilend und kühlend wirkt, beispielsweise bei Insektenstichen. Gerne machte Melanie Homma einen Ausflug in die Geschichte. So haben schon die alten Germanen die Heilkraft des Wegerichs geschätzt, und auch der Arzt Paracelsus hat die Pflanze als heilend erwähnt. Seine Empfehlung damals lautete: Bei anstrengenden Wanderungen einige Blätter in die Schuhe legen, eine Wohltat für die Füße. Von Europa aus gelangten die Samen der Pflanzen auch zu den Indianern. „Endlich hat man den Indianern etwas Gutes gebracht“, so Melanie mit Ironie.

Die Schafgarbe zählt heute zu den bekanntesten Heilpflanzen überhaupt. Das angenehm duftende Wildkraut mit den weißen, zierlichen Blüten lindert so manche Beschwerden. Frauenkraut, Allheilkraut, Bauchwehkraut, Blutstillkraut sind nur einige der Namen, unter denen die Schafgarbe geführt wird, und die erahnen lassen, welche Bedeutung das Heilkraut für die Menschen hatte und heute noch hat. Die Schafgarbe als Küchenkraut ist zwar wenig populär, dennoch sind die Blätter verwendbar in Quark und Wildkräutersalaten. Da die auch als „Tausendblatt“ bezeichnete Schafgarbe recht anspruchslos ist, kann sie überall wild gefunden werden. „Die goldgelb leuchtenden Blüten des Johanniskrauts erntet man am besten am Johannistag, also am 24. Juni“, so die Referentin. Dann seien sie am kräftigsten. Zwar mag da eine gehörige Portion Aberglauben dabei sein, aber Mitte bis Ende Mai steht das Johanniskraut in voller Blüte. Diese haben sehr wirksame Inhaltsstoffe. Johanniskraut enthält viele Gerbstoffe und ätherische Öle. Innerlich eingenommen wirkt Johanniskraut stimmungsaufhellend und beruhigend, äußerlich wirkt es gewebeerneuernd. Öl aus Johanniskrautblüten wird gegen Prellungen, Muskelschmerzen, kleineren Verletzungen eingesetzt. Aber Achtung! Johanniskraut erhöht sowohl bei innerlicher als auch äußerlicher Anwendung die Lichtempfindlichkeit. Darauf beruht auch seine stimmungsaufhellende Wirkung. Die jungen Blätter des Johanniskrauts kann man als Würzzutat für Kräuteröl nutzen. Ebenso als Zutat für Kräuterbutter oder Suppen oder einfach über den Salat gestreut.

Gegen Ende der Kräuterwanderung stellte Melanie Homma ihre „Lieblingspflanze, die Brennnessel“ vor. Aus den Gärten wird sie verbannt und auch ansonsten wird versucht, ihr den Garaus zu machen, dabei blickt die Brennnessel auf eine lange, traditionsreiche Geschichte in der Heilkunde zurück. Nicht umsonst hat sie sich einen hervorragenden Ruf als „grüne Apotheke“ am Wegesrand gemacht, „vollgepumpt mit Nährstoffen“, wie die Referentin zu berichten wusste. Deshalb wird die Brennnessel als Heilpflanze wegen ihrer blutreinigenden, blutbildenden sowie blutstillenden Wirkung empfohlen. Darüber hinaus regt das grüne Kraut den Stoffwechsel an, entgiftet, entsäuert, fördert den Haarwuchs, wirkt den rheumatischen Beschwerden entgegen, fördert die Durchblutung, senkt den Blutdruck, wirkt gegen die Frühjahrsmüdigkeit, hilft bei Appetitlosigkeit. Natürlich lernten die Wanderer beim Gang über die Wiesen noch eine ganze Anzahl weiterer Wildkräuter kennen, so die Flockenblume als Insektenmagnet, die Witwenblume als essbare Dekoration, den Odermennig zur Pflege der Stimmbänder, den Wilden Majoran als Pizzagewürz, den Wiesenbärenklau, das klebrige Wiesenlabkraut und den Sauerampfer.

Am Ende der Kräuterführung dankte der CDU-Vorsitzende Peter Becker der Kräuterpädagogin Melanie Homma für die interessante Führung durch die Welt der Wildkräuter, den vielen Naturfreunden für das Interesse und lud zu einem Umtrunk im Freien ein.

(Text/Fotos: Rudi Kramer / Veröffentlichung der Fotos mit Zustimmung aller abgelichteten Personen).