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Wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen gegen die Gemeinschaftsschule

Bildungs- und Begabungsforscher Prof. em. Dr. Kurt A. Heller stellte die baden-württembergische Bildungs- und Schulpolitik auf den Prüfstand / Dr. Stephan Harbarth MdB vor Ort

Bildungs- und Begabungsforscher Prof. em. Dr. Kurt A. Heller stellte die baden-württembergische Bildungs- und Schulpolitik auf den Prüfstand - Foto: Busse

Wiesloch. „Das war wissenschaftlich ein Hochgenuss“ – so das Urteil eines Besuchers, der sich nach dem gestrigen Vortrag des international renommierten Bildungs- und Begabungsforschers Prof. em. Dr. Kurt A. Heller als Erster in der rund einstündigen Diskussionsrunde zu Wort meldete. Heller war am gestrigen Montag auf Einladung des CDU-Ortsverbandes Wiesloch, des Landtagsabgeordneten Karl Klein (CDU) und der CDU-Kreistagsfraktion Rhein-Neckar in der Weinstadt vor Ort, um aus wissenschaftlicher Sicht die aktuelle Bildungs- und Schulpolitik des Landes Baden-Württemberg zu beleuchten und stellte gleich zu Beginn diesbezüglich fest: „Was derzeit in Baden-Württemberg geschieht, das ist traurig und ärgerlich zugleich.“

Der aus Baden stammende und in Bayern beheimatete Heller weiß, wovon er spricht: Seit Jahrzehnten widmet er sich intensiv den Themen Bildung und Begabung, seine Publikationsliste umfasst rund 550 Titel, für zahlreiche Forschungsprojekte im nationalen und internationalen Kontext zeichnet der Direktor des LMU-Zentrums für Begabungsforschung der Universität (LMU) München verantwortlich. Nahezu eineinhalb Stunden dauerte sein auf wissenschaftlichen Fakten basierender Vortrag, im Rahmen dessen er mit „ideologischen Irrtümern in der Bildungspolitik“ aufräumte.

„Ich kenne keine seriöse Studie, die nach wissenschaftlichen Standards überprüfbar ist und die das belegt, was die Advokaten der Gemeinschaftsschule behaupten“, sagte Heller, „gegen jegliche wissenschaftlichen Erkenntnisse soll die Gemeinschaftsschule durchgedrückt werden. In der Medizin wäre es undenkbar, dass man wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert. Das Traurige daran ist, dass es nicht diejenigen ausbaden müssen, die dafür verantwortlich sind.“ Und weiter: „Gemeinschaftsschulen versprechen eine schöne heile Welt, die es nicht gibt. Das gegliederte Schulwesen hat sich eindeutig als überlegen erwiesen, gerade auch im Hinblick auf den sozialen Chancenausgleich und individuelle Bildungserfolge. Die wissenschaftlichen Fakten sprechen für mehr und nicht für weniger Differenzierung.“

Das Abschaffen des Sitzenbleibens in der Schule hält Heller („Da wette ich um Millionen mit Ihnen, dass damit das eigentliche Problem nicht behoben wird“) ebenso für kontraproduktiv wie eine Verlängerung der vierjährigen Grundschulzeit: „Nach dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand ergeben sich sowohl für die schwächeren Schüler wie auch die begabteren Schüler erhebliche Nachteile.“ Seine Aussagen belegte der Wissenschaftler, der sich auch durch einen kurzfristigen kompletten Stromausfall in der Mensa des Ottheinrich-Gymnasiums Wiesloch nicht in seiner engagierten Rede bremsen ließ, durch zahlreiche Folien. Man merkte: Heller geht es darum, der Jugend bestmögliche Lebens- und Berufschancen zu eröffnen.

Weitere Podiumsteilnehmer waren Karl Klein MdL, Dr. Stephan Harbarth MdB, Bruno Sauerzapf (Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Rhein-Neckar), Alexander Oberst (VBE Baden-Württemberg / Referat Realschule) und Adrian Seidler (CDU-Ortsverband Wiesloch). Karl Klein MdL führte aus, dass Grün-Rot das baden-württembergische Bildungs- und Schulwesen, das sowohl national als auch international gut aufgestellt und anerkannt sei, negativ verändere. Nach Aussagen des grünen Ministerpräsidenten Kretschmann soll es zukünftig nur noch ein 2-Säulen-Modell bestehend aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule geben – dies würde für die Realschulen das Aus bedeuten. Bruno Sauerzapf betonte, dass sich der Rhein-Neckar-Kreis als Träger des beruflichen Schulwesens intensiv mit der Thematik Bildung beschäftige. „Warum müssen überhaupt Gemeinschaftsschulen installiert werden?“, fragte Sauerzapf und kritisierte: „Die beruflichen Schulen haben in Stuttgart keine Lobby.“ Alexander Oberst (Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg / Referat Realschule) plädierte überzeugend für die Weiterentwicklung der Realschule – und nicht für deren Abschaffung. Angesichts der grün-roten Bildungs- und Schulpolitik herrsche in den Realschulen „Wut, Zorn und Enttäuschung“. Die Realschule sei die Schule des sozialen Aufstiegs, der Fachkräftemangel könne nur mithilfe guter Realschüler gedeckt werden. Oberst mit Blick auf die von Grün-Rot favorisierte Gemeinschaftsschule: „Wir Lehrer haben eine Vorbildfunktion. Wir wollen Lehrer sein – und keine Lernbegleiter.“ Adrian Seidler, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Wiesloch, stellte in seinem Beitrag das bildungs-und schulpolitische Engagement der Wieslocher Christdemokraten vor.

In der anschließenden Fragenrunde diskutierte Heller intensiv über die Gemeinschaftsschule. Von einer anwesenden Gymnasiallehrerin wurde in diesem Zusammenhang die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung durch Grün/Rot kritisiert. (Text/Foto: Busse)